Antisemitismus ist sehr wohl eine Meinung?

…so unglaublich es klingen mag, so wurde heute in meier arbeitsamt-maßnahme argumentiert, weil ich mich gegen verdammt ekeliges antisemitisches und homophobes gehabe zur wehr gesetzt habe.

gesprächsauszug…

er: (sieht im internet eine israelfahne) boah da muss ich mir gleich die häde waschen…
ich: warum das denn?
er: das stinkt nach..
ich: nach was?
er: nach J U D E N…
ich: was ist das denn für ein schwachsinn.
er: ich mag die einfach nicht…
ich: wer sind denn die?
er: ich habe lange für die gearbeitet und kann mir ja wohl ne meinung bilden…
ich: antisemitismus ist keine meinung!
5 andere aus der klasse: is es doch, das musst du akzeptieren…
er: für die juden sind wir doch auch alle nazis.
ich: jetzt denkste mal kurz darüber nach was de da gerade gesagt hast….reflektieren schadet nicht.
er: hör doch auf zu diskutieren! du willst doch immer nur anders sein wie alle anderen. wie die mitläufer die sich in ihr friedrichshain zurückziehn, sich ihre verlausten haare nicht kämmen und alle wände beschmieren!
ich: kennst du denn jemanden oder hast du dich mit leuten, die du gerade mit vorurteilen bestückt umschrieben hast, schon mal unterhalten?
er: ich habe auch was dagegen das du kein fleisch ißt! außerdem voll die schwule diskussion!
ich:(komme nicht mehr zu wort weil genau 8 leute gleichzeitig auf mich einreden…à la…wie: wir wollen dich nur auf den richtigen weg bringen, du musst dich eingliedern, hör doch mal auf zu diskutieren)
einwurf aus der hinteren ecke: apropo schwul…sach mal weißt du eigentlich ob schwule vaganer auch schlucken dürfen?

kleiner, unvollständiger auszug aus zehn minuten…

ich leide höllenqualen.

ps: vielleicht schaff ich es die nächsten wochen mal einen kleinen tonmitschnitt liefern zu können..


17 Antworten auf „Antisemitismus ist sehr wohl eine Meinung?“


  1. Gravatar Icon 1 frisch gestrichen 04. Dezember 2006 um 16:02 Uhr

    kranker scheiss das ganze. da kommt mir die galle hoch

  2. Gravatar Icon 2 Drew 04. Dezember 2006 um 16:07 Uhr

    Warum soll Antisemitismus keine Meinung sein? Und wer bestimmt, was jetzt eine Meinung ist und was ein Verbrechen? Wohl eher der Staat, wa.

  3. Gravatar Icon 3 gradnichtarbeitslos 04. Dezember 2006 um 16:27 Uhr

    Bitte bitte nimm soviel auf wie`s nur geht. Und nicht nur die Auswüchse. Selbstverständlich gibt es auch Aufseher und Sklavenhändler, die nicht offen Antisemitismus ausleben – Deine Arbeitskraft, Zeit, Gesundheit und Lebenserwartung wreden sie Dir trotzdem klauen. Und Idewologievermittlung gehört in der Arbeitsagentur selbstverständlich zum Job. Jeder kann alles erreichen – wenn er nur will, und wenn die bösen Juden, Moslems, Ausländer, Jugendlichen, Kinderschänder & Akademikerfrauen ohne Kinder nicht wären – das steht auf dem lehrplan für die Umerziehung jedes Arbeitslosen…

  4. Gravatar Icon 4 die mauer muss her! 04. Dezember 2006 um 16:56 Uhr

    ja und?
    das ist ja nun nix neues oder sich gerade erst entwickelndes.
    sobald du dich länger mit leuten unterhältst die ihre wohnorte als ghetto bezeichnen oder ihren gesellschaftlichen standpunkt der ‚unterschicht‘ zuordnen, wirst du soetwas immer wieder mitbekommen.
    studien zur allgemeinen volksstimmung über israel oder den jüdischen glauben werden ja hin und wieder mal veröffentlicht und zeigen jedesmal eine starke antiphatie diesbezüglich auf.

  5. Gravatar Icon 5 gradnichtarbeitslos 04. Dezember 2006 um 17:17 Uhr

    @diemauermussher:

    selten so widerlichen Wohlstandschauvinismus gehört wie von Dir – verpiß Dich in Deine Villa und schließ Dich im Panic Room ein, damit die die bösen Arbeitsscheuen und Hungerleider nicht erwischen Du Faschotrottel…

  6. Gravatar Icon 6 vera 04. Dezember 2006 um 18:01 Uhr

    ja, da lobe ich mir meinen telearbeitsplatz, da werde ich wenigstens nur mit ideologie in politisch korrekter sprache konfrontiert.

    @ die mauer muss her: das ganze als unterschichtsproblem – die anfuehrungszeichen verstehe ich nicht ganz – zu titulieren ist, verharmlosung. – oh gradnichtarbeitslos unterstellt dir da noch eine affirmative haltung – hm keine ahnung, einen unterschıed machts dann wohl auch nicht.

  7. Gravatar Icon 7 tylie 04. Dezember 2006 um 19:22 Uhr

    krass, auf jeden fall sehr krass….aber weiß in solchen situationen auch immer nicht was ich sagen soll…

  8. Gravatar Icon 8 w 04. Dezember 2006 um 22:58 Uhr

    @ mauermussher:
    Genau, das klatschende Publikum bei Walsers Paulkirchenrede bestand nur aus ostdeutschen Arbeitslosen, und die Szene aus dem unten zitierten Artikel setzte sich in Wahrheit aus verkleideten Trinkhallensteher_innen zusammen …
    Nichtsblicker!

    http://www.wdr.de/online/panorama/auschwitz_prozess/

    Auftakt: Prozess um Auschwitz-Äußerung
    Rechtsanwalt sorgte für Eklat beim Gänseessen
    […]
    Am Ende meldete sich ein Düsseldorfer Ziviljurist zu Wort. Er kritisierte Spiegels häufige öffentliche Auftritte in der Öffentlichkeit. Mit denen „leiste er dem Antisemitismus in Deutschland Vorschub“.

    Im übrigen, so der Anwalt, sei er selbst im letzten Kriegsjahr als Flakhelfer in Auschwitz gewesen. Dort habe er die neben dem Lager befindlichen Wirtschaftsbetriebe schützen sollen. Als der Flakhelfertrupp wegen der katastrophalen hygienischen Bedingungen völlig verlauste, sei er mit seinen Kameraden in das benachbarte KZ gebracht worden „zum Duschen und Saunieren“. Auf dem Gelände habe er Tausende von Juden gesehen, Greueltaten der Nazis freilich nicht.

    Im Saal habe daraufhin eisige Stille geherrscht, erinnert sich Paul Spiegel beim Prozessauftakt gegen den Anwalt am Montag (14.01.02). Der Jurist steht wegen Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener vor Gericht. Der Zeuge Paul Spiegel: „Meine Frau hat den Raum sofort verlassen. Sie hat geweint. Ein paar andere Damen mussten sie trösten. Keiner im Saal ist aufgestanden, um zu widersprechen. Das war das Schlimmste. Wir fühlten uns damals plötzlich wie in einer Angeklagten-Rolle.“ Der Bankchef habe eilig die Aussprache abgebrochen, Kaffee und Cognac servieren lassen und auf ein baldiges Ende des Abends gedrängt.
    […]“

  9. Gravatar Icon 9 w 04. Dezember 2006 um 23:06 Uhr

    @ smp:
    Hatte vor ein paar Wochen ähnliches Erlebnis, konnte allerdings glücklicherweise selbst bestimmen wann ich die grausige Szenerie verlasse
    -> http://myblog.de/waiting/art/4301607#comm
    So wie du die Situation beschreibst scheint ein konfrontativer Ansatz aufgrund deiner Minderheitenposition da nichts zu bringen, ein hochtheoretischer (Lektüekurse Adorno, ‚Meinung Wahn Gesellschaft‘) wohl ebensowenig. Weiß nicht was da als Ausweg bleibt und bin normal auch Verachter von pädagogischer Herangehensweise, aber aus einigen Erfahrungen mit an sich ätzenden Jugendlichen aus Schulklassen weiß ich, wie sehr sie trotz ihrer Ekelhaftigkeit sich beeindrucken ließen, als ein KZ-Überlebender ihnen seine Geschichte erzählte. Unwahrscheinlich, aber eventuell lässt sich ja sowas in die Richtung einrichten (wobei man natürlich auch niemanden von diesen alten Menschen solche antisemitischen Arschgeigen zumuten kann) …

  10. Gravatar Icon 10 clubmate 05. Dezember 2006 um 0:59 Uhr

    @ smp
    also antisemitismus im eigenem umfeld ist mir nichts neues.
    (bin in kreuzberg auf eine gesamtschule gegangen)
    dort waren die argumenteder der antisemiten aber eher gewaltandrohungen als blosses ignorieren.

  11. Gravatar Icon 11 die mauer muss her! 05. Dezember 2006 um 15:33 Uhr

    selbstverständlich ist der antisemitismus kein problem welches sich ausschließlich in der sogenannten unterschicht reproduziert.
    (ist ja nicht so als hätte ich diesen fakt negiert…)
    jedoch war die äußerung auf die von smp beschriebene situation bezogen, denn es lässt sich definitiv eher in der maßnahme der arbeitsagentur auf den laut gedachten antisemitismus stoßen als im wohlständischen villenviertel in dem ich angeblich verkehre.

  12. Gravatar Icon 12 Stefan 05. Dezember 2006 um 23:03 Uhr

    Kommt mir bekannt vor, sehr sogar. Nur dass es bei mir in der Klasse nur einer ist, der immer labert, er habe eine „Allergie gegen Türken…“. Sowas ist echt nervig. Ich kriege auch öfters mal folgendes zu hören: „Jaaa, Stefan, immer schön dagegen ne, und immer eine andere Meinung haben als die anderen…“

    Übrigends, geiler Titel ;)

  13. Gravatar Icon 13 eb 06. Dezember 2006 um 20:44 Uhr

    hm sartre hat ganz interessante abhandlungen zu dem thema geschrieben. da hilft nur noch hubschraubereinsatz…

  14. Gravatar Icon 14 frl.zucker 06. Dezember 2006 um 21:25 Uhr

    kraeisie. wie aus einem ganz ganz arg schlechten film.

    zu mir sagen sie: „du bist wie aspirin, du bist gegen alles!“

  15. Gravatar Icon 15 frl.zucker 06. Dezember 2006 um 21:40 Uhr

    ah! du hättest sagen sollen:
    HEY HERRENMENSCHEN! IHR WERDET BENACHTEILIGT?

    schade, dass uns sowas immer erst hinterher einfällt.

  16. Gravatar Icon 16 mr.q 07. Dezember 2006 um 8:13 Uhr

    du ist kein fleisch? ich bin erschüttert.

  17. Gravatar Icon 17 bigmouth 07. Dezember 2006 um 22:08 Uhr

    eine frage, ich habe das nie verstanden: warum können meinungen eigentlich kein verbrechen sein? und ist „verbrechen“ nicht eine bescheuerte vokabel?

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